Die BewohnerInnen des Annenviertels sind vielfältig. Sie sind KünstlerInnen, AktivistInnen und manchmal auch Lokalberühmtheiten. Vor allem sind sie aber normale Leute wie du und ich. Leute, die fünf Tage in der Woche zur Arbeit gehen, Familien, die gemeinsam Ausflüge in den Park machen und StudentInnen, die in WGs wohnen. Leute wie Gregor G., welcher der Annenpost einen Einblick in sein Zuhause gewährt hat, um uns zu zeigen, wie es bei den Annenviertlern daheim aussieht.
AP: Warum wohnst du im Annenviertel?
Gregor: Ich bin 2007 aus Kärnten zum Studieren nach Graz gekommen. Das ist meine vierte Wohnung seitdem ich hier bin. Und die zweite im Annenviertel, weil ich mich hier mittlerweile heimisch fühle. Die anderen waren in Eggenberg und St. Leonhard. Das Annenviertel ist für Grazer Verhältnisse billig und hat eine tolle Mischung aus Laut und Leise. Die Lage ist toll. Man kommt schnell zur Autobahn oder in die Stadt, aber es gibt trotzdem Grünflächen.

AP: Wohnst du alleine hier?
Gregor: Ich wohne hier mit meiner Freundin und zwei Katzen, dem Moritz und der Maja. Meine Freundin ist kroatische Grazerin und wohnt schon länger im Annenviertel. Die Katzen haben wir von einer Arbeitskollegin ihrer Mutter und einem Buschenschankbesitzer, dessen Katzen vier Würfe gleichzeitig hatten. Moritz ist die weiße und Maja die schwarze Katze. Moritz ist ein bisschen dümmer als Maja, dafür aber zutraulicher. Und beide haaren extrem, darum sollten meine Freundin und ich eigentlich jeden Tag staubsaugen. Die hat übrigens auch die Wohnung dekoriert. Sowas findet man sonst nur in Mädchen-WGs. Ein Freund aus einer reinen Männer-WG sagt immer, dass er so gerne bei uns ist, weil es hier wegen der Deko und den Bildern so wohnlich ist.

AP: Was machst du eigentlich so?
Gregor: Seit Mitte April arbeite ich im Zentrum für medizinische Grundlagenforschung an der Med-Uni Graz. Davor war ich FH-Student. Damals habe ich aber in St. Leonhard gewohnt und musste von dort nach Eggenberg fahren. Heute wohne ich im Annenviertel und pendle zur Uni. Aber ich freue mich sehr über die finanzielle Unabhängigkeit.

AP: Verstehst du die anhaltende Kritik rund um das Viertel und seine BewohnerInnen?
Gregor: Eigentlich nicht. Ich gehe oft nachts durch den Volksgarten wenn ich am heimweg bin und hatte noch nie das Gefühl, dass es dort gefährlich ist. Eine Freundin ist aber einmal in der Volksgartenstraße von einem onanierenden Mann abgepasst worden. Das war so ein komischer alter Steirer. Nur wenn ich beim Esperantoplatz aus der Bim steige werde ich manchmal von Drogendealern angesprochen. Einmal sogar vier Mal in zwei Minuten! Aber sogar die sind immer ganz freundlich, lächeln und machen Smalltalk.

AP: Was ist dein Lieblingsgegenstand in der Wohnung?
Gregor: Der Küchentisch! Das ist der beste Ort in der Wohnung, um mit Freunden bis in den Morgen zusammen zu sitzen und Bier zu trinken. Die Zettel, die da kleben sind vom „Wer bin ich“-Spielen und die Bilder, die darüber an der Wand hängen sind übrigens von einem Künstler aus dem Annenviertel. Den Schnauzer haben aber wir angeklebt. Der ist bei einer Halloweenparty übrig geblieben. Da war meine Freundin als Super Mario verkleidet und Schnauzer stehen ihr nicht besonders gut.

AP: Zeigst du uns „deinen Blick aus dem Fenster“?
Gregor: Das Fenster im Wohnzimmer geht Richtung Innenhof. Da schauen wir auf die Bäume. Am liebsten mag ich die Birke, wegen der weißen Rinde. Das ist aber auch schon der einzige Baum den ich erkennen kann.
AP: Und was ist dein Lieblingsplatz im Annenviertel?
Gregor: Ich mag den Mariahilferplatz am liebsten. Wegen dem Ausblick auf den Schlossberg und weil man da gut fortgehen kann. Meine Clubtage sind mittlerweile vorbei, deswegen ist die Umgebung mit den Pubs eher was für mich. Auch wenn ich in fünf Jahren vielleicht nicht mehr im Annenviertel wohne, werde ich dorthin sicher gerne wieder kommen.

Wenn auch du im Annenviertel lebst und uns gerne zeigen möchtest wie du wohnst, schick uns ein Mail an annenpost@ymail.com.
[/box]Fotocredits © Theresa Hartlauer