Niedrige Wahlbeteiligung und der Sieg der FPÖ in allen Bezirken des rechten Murufers bei der Nationalratswahl sorgen bei einigen ortsansässigen Migrantenvereinen für Verwunderung. Um die Wahlergebnisse zu analysieren und um über mögliche Konsequenzen für das Viertel zu sprechen, trafen wir drei Vereinsvertreter zum Interview.

Mangelnde Integrationspolitik
Fardin Tabrizi, Vereinsobmann der Iranisch-Österreichischen Kulturinitiative und SPÖ -Mitglied, lebt seit seinem 15. Lebensjahr im Annenviertel. Laut Tabrizi besteht die Gruppe der Nichtwähler, die knapp die Hälfte der Wahlberechtigten ausmacht, großteils aus Menschen mit Migrationshintergrund. Diese fühlten sich von den Wahlprogrammen nicht angesprochen.
Das Hauptproblem sieht er darin, dass sich die Parteien nicht offen mit Integration auseinandersetzten, beziehungsweise dieses zu wenig thematisieren. „Das Thema ist wie eine heiße Kartoffel – keiner spricht es an, nur die FPÖ. Das motiviert und spaltet die Leute. Strache verkauft sich im Gegensatz zu den übrigen Spitzenkandidaten gut, das ist das Problem“, erklärt Tabrizi.

Strafe für die Regierungsparteien
Auch Joseph Dim vom afrikanischen Kulturverein Baodo zeigt sich schockiert über den Wahlausgang. Viele Menschen äußern ihm gegenüber Angst um ihre Zukunft, es beruhige ihn aber, dass es sich um überregionale Wahlen auf Bundesebene gehandelt hat und nicht etwa um Gemeinderatswahlen. „Denn dann wäre wir finito.“
Das Wahlergebnis deutet der Grüne Grazer Bezirksrat als Bestrafung für die regierende SPÖ und die ÖVP und sieht dies auch als einen Faktor für die niedrige Wahlbeteiligung. Ehemalige Unterstützer der großen Koalition seien nicht mehr gewillt gewesen, Rot-Schwarz zu wählen und blieben deshalb gänzlich zu Hause.In seinem Verein versucht Joseph Dim, Migranten die österreichische Politik näherzubringen, sie davon zu überzeugen sich einzubringen, mitzugestalten und mitzureden.

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